Stricken ist ein Handwerk, das seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben wird. Heute ist es zugleich kreatives Hobby, Handarbeit und fester Bestandteil der Modewelt. Seine Ursprünge genau nachzuzeichnen, ist allerdings schwierig. Wer hat das Stricken erfunden und wo ist es entstanden? In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Strickens und seine Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte.
Der Ursprung des Strickens
Historischen Quellen zufolge ist Stricken eine sehr alte textile Technik. Die genaue Datierung der ersten gestrickten Stücke ist jedoch nicht eindeutig. Auch der genaue Ursprung des Strickens lässt sich bis heute nicht zweifelsfrei bestimmen.
Die ersten entdeckten Strickstücke
Die im Laufe der Zeit entdeckten Textilien haben dazu beigetragen, die Geschichte des Strickens besser zu verstehen. Einige sehr alte textile Techniken arbeiteten bereits mit ineinandergreifenden Schlaufen und ähnelten damit dem späteren Stricken. Auch in präkolumbischen Textilien aus Peru finden sich komplexe Techniken zur Herstellung von Stoffen.
Später wurden in Ägypten und insbesondere im koptischen Kulturraum textile Stücke und Werkzeuge gefunden, die wichtige Hinweise auf die Entwicklung von gestrickten oder strickähnlichen Techniken liefern. Zahlreiche historische Textilien aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung sind heute in Sammlungen und Museen erhalten.
Wer hat das Stricken erfunden?
Es ist schwierig, eine bestimmte Person als Erfinder des Strickens zu benennen. Auch der genaue geografische Ursprung dieser alten Handarbeit lässt sich nicht eindeutig festlegen. Manche Theorien stellen eine Verbindung zu älteren Schlingentechniken wie dem skandinavischen Nadelbinden, auch Nålebinding genannt, her.
Einen bedeutenden Schritt in Richtung mechanischer Herstellung machte William Lee mit seiner 1589 entwickelten Strickmaschine. Der englische Geistliche entwickelte seinen sogenannten Stocking Frame insbesondere für die Herstellung von Strümpfen.
Woher kommt das französische Wort „tricoter“?
Im Französischen hatte das Wort „tricoter“ früher verschiedene Bedeutungen. Im 15. Jahrhundert konnte es mit dem Wort „trique“, also Stock oder Stab, in Verbindung stehen. Erst später setzte sich „tricoter“ als Bezeichnung für das Herstellen von Maschen mit Nadeln durch. Das Verb wurde außerdem bildlich für schnelle Beinbewegungen verwendet. Historisch konnte das Wort deshalb unterschiedliche Bedeutungen haben:
- Tricoter: einen Stoff durch das Bilden von Maschen mit Nadeln herstellen;
- Tricoter des jambes: schnell laufen oder die Beine bewegen;
- Tricoter les côtes: eine ältere, heute ungebräuchliche Wendung.
Andere Erklärungen führen den französischen Begriff auf die Bezeichnung eines kleinen Stabs oder einer Stricknadel zurück.
Die Geschichte des Strickens im Laufe der Jahrhunderte
Die genaue Entstehungszeit des Strickens ist schwer zu bestimmen. Erhaltene textile Stücke zeigen jedoch, dass sich verwandte Techniken schon früh entwickelten und das eigentliche Stricken im Laufe des Mittelalters zunehmend verbreitete. Bis heute hat diese Handarbeit nichts von ihrer Bedeutung verloren. Werfen wir einen Blick auf ihre Entwicklung.
Stricken in der Spätantike: Textilien aus Ägypten
Textile Funde aus Ägypten und dem koptischen Kulturraum spielen eine wichtige Rolle bei der Erforschung der frühen Geschichte des Strickens. Einige erhaltene Stücke stammen aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung. Da verschiedene textile Schlingentechniken einander ähneln können, ist die eindeutige Zuordnung einzelner Fundstücke zum modernen Stricken jedoch nicht immer einfach.
Das Mittelalter: Stricken verbreitet sich in Europa
Verschiedene Theorien gehen davon aus, dass Stricktechniken über Handelswege und den kulturellen Austausch mit der islamischen Welt nach Europa gelangten. Besonders die Iberische Halbinsel spielte dabei eine wichtige Rolle. Spätestens im Mittelalter verbreiteten sich gestrickte Textilien zunehmend in verschiedenen Teilen Europas.
Mit der Zeit entwickelte sich die Technik auch in Nord- und Mitteleuropa weiter. Unterschiedliche Regionen brachten eigene Muster, Materialien und handwerkliche Traditionen hervor. Gestrickt wurde unter anderem mit Wolle und Nadeln aus Holz, Knochen oder später Metall.
Das Stricken im Frankreich des 14. bis 16. Jahrhunderts
In Frankreich entwickelte sich das Stricken im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit zunehmend zu einem handwerklichen und kommerziellen Gewerbe. Besonders die Herstellung von Mützen, Strümpfen und anderen gestrickten Kleidungsstücken gewann an Bedeutung. Das französische Gewerbe der „bonneterie“ umfasste Hersteller verschiedener gestrickter Waren.
Im 16. Jahrhundert konnte das Stricken für zahlreiche Familien außerdem eine zusätzliche Einnahmequelle darstellen. Die Entwicklung mechanischer Strickmaschinen am Ende des Jahrhunderts veränderte die Produktion schließlich grundlegend. William Lees Strumpfstrickmaschine von 1589 machte es möglich, bestimmte Artikel schneller und in größeren Mengen herzustellen.
Das Stricken im 18. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Strumpf- und Wirkereiindustrie in Frankreich weiter. Mechanische Strickstühle fanden zunehmend Eingang in textile Regionen und wurden sowohl in kleineren Werkstätten als auch in Heimarbeit eingesetzt. Besonders Gebiete wie Troyes und die Champagne entwickelten sich zu wichtigen Zentren der französischen Wirkerei.
Mit der zunehmenden Mechanisierung entstanden nach und nach größere Produktionsstätten, unter anderem in der Champagne, in Nîmes und Lyon. Gleichzeitig blieb das Stricken von Hand weiterhin verbreitet und wurde sowohl im Alltag als auch in wohlhabenderen Kreisen praktiziert.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden außerdem neue Strickmaschinen entwickelt, die eine größere Vielfalt an Maschenstrukturen ermöglichten und die technische Entwicklung des Gewerbes weiter vorantrieben.
Stricken im 19. und 20. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert war stark von der Mechanisierung des Strickens und der Entwicklung neuer Strickmaschinen geprägt. Dennoch wurden zahlreiche Arbeitsschritte weiterhin von Hand ausgeführt, insbesondere bei der Fertigstellung und Formgebung von Kleidungsstücken.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden unterschiedliche Maschinentypen, darunter:
- Englische Strickmaschinen: Weiterentwicklungen früher mechanischer Strickstühle;
- Französische Strickmaschinen: Varianten und Weiterentwicklungen bestehender Systeme;
- Trommelmaschinen: Maschinen mit besonderen mechanischen Steuerungssystemen;
- Kettenwirkmaschinen: Maschinen, deren Arbeitsweise sich deutlich vom klassischen Handstricken unterscheidet und die besonders laufmaschenfeste textile Flächen ermöglichen;
- Rippenmaschinen: Maschinen mit mehreren Nadelreihen zur Herstellung von Rippen und elastischeren Strukturen;
- Rundstrickmaschinen: Maschinen mit kreisförmig angeordneten Nadeln, die insbesondere für nahtlose oder schlauchförmige Strickwaren eingesetzt werden.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konzentrierte sich die Produktion zunehmend in größeren Fabriken. Im 20. Jahrhundert wurden Strickmaschinen weiter automatisiert und konnten eine immer größere Vielfalt an Kleidungsstücken produzieren, darunter Pullover, Jacken, Handschuhe, Strümpfe und Unterwäsche.
Auch die Entwicklung neuer Färbeverfahren veränderte das Stricken. Eine immer größere Farbpalette eröffnete neue Möglichkeiten für Muster und Mode. Im 20. Jahrhundert griffen zahlreiche Designer Strick in ihren Kollektionen auf. Ein bekanntes Beispiel ist André Courrèges, der 1969 eine stark vom Strick geprägte Kollektion präsentierte.
Stricken: eine Handarbeit, die bis heute beliebt ist
Stricken hat sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert und ist bis heute präsent. Gestrickte Kleidung und Accessoires gehören besonders in der kalten Jahreszeit fest zur Mode. Mützen, Schals, Handschuhe, Cardigans und Wollpullover verbinden Komfort mit einer großen Vielfalt an Designs. Auch berühmte Modeschöpferinnen wie Gabrielle Chanel integrierten Strickwaren in ihre Kollektionen.
Heute ist Stricken außerdem ein beliebtes und leicht zugängliches kreatives Hobby.
Online-Tutorials, Anleitungen und Stricksets erleichtern den Einstieg und ermöglichen es auch Anfängern, Schritt für Schritt eigene Projekte umzusetzen. Wolle, Nadeln und weiteres Strickzubehör sind heute sowohl online als auch in Fachgeschäften einfach erhältlich.








